Corona Lyrik Tagebuch

Corona Lyrik Tagebuch · 04. April 2020
In selbstisolation schau ich der welt zu ein drama, in wieviel akten? oder nur das alte spiel? gewinnen die reichen, verlieren die armen, gewinnt der kapitalismus, verliert der kapitalismus? spielt die welt um ein neues spiel oder um das alte zu erhalten? wir sehen zu und merken zu spät wir sind im spiel. wer betrit als nächstes die bühne?
Corona Lyrik Tagebuch · 03. April 2020
der bildausschnitt war wohl gesetzt. die kante des durchdachten fiel senkrecht zu den überlegungen, im horizont verlief sich das allgemeine zartrosa konkretion war eindeutig und fokussiert fast, als wäre sie hörbar, das ist der goldenen schnitt. die fotografie verleugnet die gegenwart.
Corona Lyrik Tagebuch · 03. April 2020
auf der suche nach dem älteren weißen mann durchpflügte mein blick die grasnarben der zeitungen, durchdrang die sprechblasen der nächtlichen wohnzimmermittelpunkte. selten fand er die weiße ältere frau, öfter schon den jungen weißen mann, noch seltener, den nicht weißen mann, eigentlich nie die ältere nicht weiße frau sagt mir das was? sagt dir das was? wem sagt da was, was? sagen wir uns noch was? sagen wir uns noch was?
Corona Lyrik Tagebuch · 02. April 2020
april, april der weiß nicht was er will. wieder einmal fällt kein scherz mir ein, sitz heut nur hier, ganz still. wieder einmal bin ich heut ganz allein und weiß nicht was ich will. april, april
Corona Lyrik Tagebuch · 01. April 2020
wie oft schon, heute, streifte der blick den himmel auf der suche nach neuem aus der brust rief dumpfen klanges ein anderes ich eingesperrt in den ruinen postmodernen scheiterns im äther verbindet sich die kommunikation nur um zu korrodieren auf flügeln kam der rost wie schon oft, heute,
Corona Lyrik Tagebuch · 30. März 2020
will heute nacht kommen der schlaf oder wieder träume die ruhe schrecken wer spielt mit wem am tisch wer mischt die karten joker oder as, einfache zahl schwarz die ruhe hat angst vor den träumen die nacht verschreckt den schlaf
Corona Lyrik Tagebuch · 30. März 2020
versteck mir die boten zwischen den zeilen verwahre ihre kunde hinter den buchstaben im schatten der worte eine wahrheit ist immer da aber ihre bedeutung ist nie eindeutig
Corona Lyrik Tagebuch · 30. März 2020
du hast die wahl! meinst du nicht? du hast immer die wahl! meinst du nicht? wahllos wählen! meinst du jetzt? demokratiereduktion! kontaktlos! ausgangslos! jetzt - richtig?
Corona Lyrik Tagebuch · 30. März 2020
welche information hast du? habe ich die gleiche information? gib mir deine information dann gebe ich dir meine information! ist deine information neuer? darf ich dir meine information anbieten? meine information ist wahrer! meine information ist neuer! meine information ist wahrer und neuer!
Corona Lyrik Tagebuch · 27. März 2020
an manchen tagen wachen wir auf und stellen das glück vor stellen das glück vor die zeit und vor das tagtägliche und umwehen es wie wind damit es plattert und flattert; hoffnungsvolles banner. zeig dich, wir wollen dich tragen. heute

Mehr anzeigen

matthias a. j. dachwald

lyriker, essayist, kunstwerker, kurator, ausstellungsmacher, kunstvermittler

W O R T E X T E S S A Y

P A L A B R A S I G N S

ⴰⵡⴰⵍ